ABSOLUT PRIVAT
Am Wochenende war ich in der Ausstellung "Absolut Privat" im Frankfurter Kommunikationsmuseum. Es geht um Tagebücher und es geht um Blogs. Ich hatte nur eine Stunde Zeit für das ganze, vielleicht bin ich also ungerecht. Selten war ich in einer Ausstellung, die ich zugleich so gut und so schlecht fand. Kurz gesagt: alles rund um Tagebücher fand ich schön, inspirierend und niedlich. Fast alles rund um Blogs fand ich langweilig, selbstreferenziell und nervig.
Eigentlich ist es schön gemacht. Auf dem Boden liegen 365 bedruckte Filzbodenplatten mit Einträgen, die an diesem Tag in irgendeinem Jahr geschrieben wurden. Man wandelt rückwärts durch den Raum und liest mal hier mal da. Hier mal Minieinträge, da mal kleine Geschichtchen. Ehrlich wirkende Einblicke in das Leben mehr oder minder bekannter Menschen. Wieder mal eine kleine Beggenung mit dem von mir verehrten Italo Svevo. Ja, und dazwischen: Bloggerplatten mit dem ewigen Geseiere, warum man blogge, dass man blogge, was Bloggen sei und was nicht. Ich glaube, ich habe so etwas noch nie geschrieben, auch wenn ich es in Ordnung finde, das mal zu tun. Nur warum in der Ausstellung fast alle Bloggerplatten mit diesem Metascheiß aufwarten müssen, ist mir vollkommen unklar.
Einer sticht dabei raus. Der Genotypische Blogbeitrag von Kid37. Eigentlich hätte der gereicht.
Und dass ich, da ich in einem Museum weile, auch noch erfahren muss, wie der eine oder die andere Bloggerin real heißt, wie schade. Langweilige Allerweltsnamen versauen das schöne Bild des Pseudonyms. Ist bei meinem eigenen Namen ja genauso, immerhin gehört mein Nachname zu den 100 häufigsten Deutschlands.
Fassungslos war ich dann, als ich vor dem iBook von Andrea Diener stand. Was tut das da? Das ist nichts materialisiertes wie ein mit Erinnerungen vollgeklebtes Haushaltsbuch, in dem irgendeine Dame eine zeitlang ihre Eindrücke für nichts und niemanden verewigt hat. Das ist ein langweiliges, nicht mal historisches Konsumprodukt. Ohne angeschaltet zu sein, nur Elektroschrott.
Faszinierend hingegen war die Kiste mit den Blog-Beiträgen von Anke Gröners Großvater (hatte ich mal in ihrem Blog gesehen, aber live war es schöner). Und der Würfel mit den Elsa Seefahrt-Videos war schön, aber die kannte ich ohnehin schon.
Der Unterschied zwischen Tagebüchern und Blogs wird nicht rausgearbeitet (oder ich habe es nicht gesehen, war also mindestens zu undeutlich für den oberflächlichen 1-Stunden-Besucher), die kommunikative Wirkung nicht, die Kommentarschlachten und die Kommentarnerverei, die unkritischen Gefolgschaften mancher Blogger, die Themenlawinen, die die sogenannte Blogosphäre (an die ich eh nicht glaube) durchschwemmen, das Betteln um Aufmerksamkeit, das Selbstentblößen, dass Gelesenwerden-Sollen und das Statistikgewixe. Das ist nun mal was anderes als mein erstes Tagebuch, auf dessen erster Seite ich jedem das Fegefeuer androhte, der es wagen sollte, weiter zu blättern. Alle Gemeinsamkeit ist nur Text, Text, Text und Frequenz, Frequenz, Frequenz.
Mein Tipp: Schaut es Euch an und latscht über die Blogplatten einfach drüber. Die meisten Blogger sind digital weit besser als auf dem Boden ausgebreitet.
Eigentlich ist es schön gemacht. Auf dem Boden liegen 365 bedruckte Filzbodenplatten mit Einträgen, die an diesem Tag in irgendeinem Jahr geschrieben wurden. Man wandelt rückwärts durch den Raum und liest mal hier mal da. Hier mal Minieinträge, da mal kleine Geschichtchen. Ehrlich wirkende Einblicke in das Leben mehr oder minder bekannter Menschen. Wieder mal eine kleine Beggenung mit dem von mir verehrten Italo Svevo. Ja, und dazwischen: Bloggerplatten mit dem ewigen Geseiere, warum man blogge, dass man blogge, was Bloggen sei und was nicht. Ich glaube, ich habe so etwas noch nie geschrieben, auch wenn ich es in Ordnung finde, das mal zu tun. Nur warum in der Ausstellung fast alle Bloggerplatten mit diesem Metascheiß aufwarten müssen, ist mir vollkommen unklar.
Einer sticht dabei raus. Der Genotypische Blogbeitrag von Kid37. Eigentlich hätte der gereicht.
Und dass ich, da ich in einem Museum weile, auch noch erfahren muss, wie der eine oder die andere Bloggerin real heißt, wie schade. Langweilige Allerweltsnamen versauen das schöne Bild des Pseudonyms. Ist bei meinem eigenen Namen ja genauso, immerhin gehört mein Nachname zu den 100 häufigsten Deutschlands.
Fassungslos war ich dann, als ich vor dem iBook von Andrea Diener stand. Was tut das da? Das ist nichts materialisiertes wie ein mit Erinnerungen vollgeklebtes Haushaltsbuch, in dem irgendeine Dame eine zeitlang ihre Eindrücke für nichts und niemanden verewigt hat. Das ist ein langweiliges, nicht mal historisches Konsumprodukt. Ohne angeschaltet zu sein, nur Elektroschrott.
Faszinierend hingegen war die Kiste mit den Blog-Beiträgen von Anke Gröners Großvater (hatte ich mal in ihrem Blog gesehen, aber live war es schöner). Und der Würfel mit den Elsa Seefahrt-Videos war schön, aber die kannte ich ohnehin schon.
Der Unterschied zwischen Tagebüchern und Blogs wird nicht rausgearbeitet (oder ich habe es nicht gesehen, war also mindestens zu undeutlich für den oberflächlichen 1-Stunden-Besucher), die kommunikative Wirkung nicht, die Kommentarschlachten und die Kommentarnerverei, die unkritischen Gefolgschaften mancher Blogger, die Themenlawinen, die die sogenannte Blogosphäre (an die ich eh nicht glaube) durchschwemmen, das Betteln um Aufmerksamkeit, das Selbstentblößen, dass Gelesenwerden-Sollen und das Statistikgewixe. Das ist nun mal was anderes als mein erstes Tagebuch, auf dessen erster Seite ich jedem das Fegefeuer androhte, der es wagen sollte, weiter zu blättern. Alle Gemeinsamkeit ist nur Text, Text, Text und Frequenz, Frequenz, Frequenz.
Mein Tipp: Schaut es Euch an und latscht über die Blogplatten einfach drüber. Die meisten Blogger sind digital weit besser als auf dem Boden ausgebreitet.
Bandini - 18. Mrz, 09:38
lonely rider woman meinte am 19. Mrz, 15:21:
interessant,daß...
hier auf andere themen wie sex gar kein kommentar kommt..ob das zufall ist? ich glaubs nicht! als ich von dieser ausstellung gelesen habe, war ich sofort interessiert...wollte aber bewußt warten mit dem reinschreiben...wobei ich wieder am anfang bin :-))...wie lange geht die ausstellung noch herr bandini? grüße frau lonely rider
p.s. und ich bin bestimmt kein sexmuffel, sondern eine durchaus heißblütige frau...;-))
Bandini antwortete am 19. Mrz, 15:40:
Bis irgendwann im September, wenn ich nicht irre. Also noch lange. Aber in der Tat: Zu schade, dass vor allem die zwischenmenschlichen Themen hier laufen. An keinem Aspekt Ihrer Person würde ich etwas kritisieren wollen.