ÜBERSCHUSS
"Und," fragt mich mein Taxifahrer in einem gebrochenen, russisch gefärbten Deutsch, "hatten Sie einen schönen Abend?"
"Ja, Geburtstagsessen von der Dame, die wir gerade abgesetzt haben."
"Ahh, Geburtstage von Frauen sind immer gut, immer mehr Frauen als Männer."
"Lassen sie mich mal rechnen, sechs Frauen, vier Männer."
"Alles Singles?"
"Nein, ein Paar war dabei. Aber alle anderen kamen alleine. Da hatten sicherlich die meisten keine Beziehung."
"Klingt wunderbar."
"Ja, aber sie sehen ja, ich lasse mich von Ihnen nach Hause fahren."
"Nur nicht überstürzen. Die besseren Frauen, da müssen sie länger dran bleiben. Die gehen nicht gleich mit ihnen nach Hause."
"Na, dann bin ich ja mal gespannt. Hier an der Kreuzung können Sie halten, ich wohne da in dem grünen Haus."
Wenn ich drüber nachdenke: Die besten Frauen sind immer gleich mit mir nach Hause gegangen.
"Ja, Geburtstagsessen von der Dame, die wir gerade abgesetzt haben."
"Ahh, Geburtstage von Frauen sind immer gut, immer mehr Frauen als Männer."
"Lassen sie mich mal rechnen, sechs Frauen, vier Männer."
"Alles Singles?"
"Nein, ein Paar war dabei. Aber alle anderen kamen alleine. Da hatten sicherlich die meisten keine Beziehung."
"Klingt wunderbar."
"Ja, aber sie sehen ja, ich lasse mich von Ihnen nach Hause fahren."
"Nur nicht überstürzen. Die besseren Frauen, da müssen sie länger dran bleiben. Die gehen nicht gleich mit ihnen nach Hause."
"Na, dann bin ich ja mal gespannt. Hier an der Kreuzung können Sie halten, ich wohne da in dem grünen Haus."
Wenn ich drüber nachdenke: Die besten Frauen sind immer gleich mit mir nach Hause gegangen.
Bandini - 16. Jun, 09:09
pathologe meinte am 16. Jun, 09:17:
Es
gibt also einen kleinen, aber feinen, Unterschied zwischen "besseren" und "besten" Frauen.
Bandini antwortete am 16. Jun, 09:33:
Vielleicht liegt es auch daran, dass mir keine der Russinnen, die ich in meinem Leben traf, gefiel. Die Oder-Neisse-Linie scheint meine Interessensphäre zu begrenzen.Aber ich denke auch, dass die besten Frauen besonders genug sind, um etwas zu wagen.
kittykoma meinte am 16. Jun, 10:17:
hm, wenn länger dran bleiben vielleicht bedeutet, sich im zivilisationslabyrinth einen schritt höher zu bewegen (sprich triebaufschub), mag er recht haben. es heißt ja immer, daß die kinder, die sich im experiment die süßigkeit nicht sofort genommen sondern gewartet und noch eine matheaufgabe gelöst haben, um dann die größere süßigkeit zu bekommen, auch im späteren leben glücklicher geworden sind.das klingt nicht angenehm...
Bandini antwortete am 16. Jun, 10:22:
Ich kann gut warten. Ich esse das beste gerne zum Schluss. Aber einen Menschen anders zu bewerten, weil er wartet, finde ich sehr merkwürdig. Dahinter steht doch der typisch männliche Wunsch der erste und einzige zu sein. Dafür bin ich schon etwas länger zu alt. Auch für den Auch glaube ich nicht, eher betrogen zu werden, nur weil meine Freundin ebenso wie ich nicht warten wollte.
ChliiTierChnübler meinte am 16. Jun, 11:41:
Warten - scheues Getue - Ruf achtend - Slowly.Stellen Sie sich vor, wie lange es geht, bis solche Frauen sich für ein paar Schuhe oder das Ferienhotel entscheiden können. So viel verschwendete Lebenszeit, sowenig Spontanität. Gute Stimmungen sollte man ausnutzen, sie kommen nie wieder.
MaryJanes meinte am 16. Jun, 12:35:
"Wenn ich drüber nachdenke: Die besten Frauen sind immer gleich mit mir nach Hause gegangen."Na das freut mich irgendwie. Vielleicht denkt auch mal einer meiner Männer im Nachhinein so über mich, auch wenn ich nicht immer sehr stolz darauf war/bin. Das liegt an der UraltEinstellung vieler Menschen. Frauen die gleich mitgehen sind Schlampen, Männer Helden.
Es geht nicht darum, ob man gleich mitgeht, viel aussagekräftiger ist das, was danach passiert.
NBerlin meinte am 16. Jun, 12:41:
*lol* Die besten Frauen für was?
Bandini antwortete am 16. Jun, 13:07:
Leben, Liebe, Leidenschaft.
menschenleer meinte am 16. Jun, 16:14:
Kann ich nicht bestätigen, im Gegenteil. Woher soll ich denn nach einem Abend meist oberflächlichen Geplauders wissen, ob ich ein Gegenüber attraktiv finde? Das Aussehen zählt für mich nicht, das ist vollkommen irrelevant. Ich finde an einem Menschen seine Gedanken, seine Einstellungen attraktiv. Die Mimik, die Gestik und - ganz wichtig - den Humor. Ich finde gemeinsame Denkweisen attraktiv oder aber, wenn mir mein Gegenüber neue eröffnet. Vor allem reizt es mich aber, die dunklen Ecken des Gegenübers auszuleuchten, seine Ängste, seine Schwächen kennenzulernen, denn die prägen den Charakter eines jeden Menschen viel mehr als die Stärken, die in vielen Fällen nur gespielt sind. Umgekehrt will ich dann auch so viel Vertrauen fassen können, um meine eigenen Schwachstellen offen zu legen. Das geht nicht im Zuge eines 3-stündigen Bargeplauders.Hüpft man gleich am ersten Abend miteinander ins Bett, geht es sohin nur um Sex. Und Sex funktioniert meiner Erfahrung nach am besten, wenn man einander absolut GAR nicht kennt (idealerweise nichtmal die Namen, ich verweise auf "Der letzte Tango in Paris") oder schon sehr gut. Animalischer Sex oder vertrauensbasierte Erotik.
Nach einem einzigen Abend hingegen weiß man zu wenig voneinander, um sich zu kennen, und zu viel, um sich einfach fallen zu lassen. Meine diesbezüglichen Erfahrungen waren samt und sonders mies und letztlich sogar der Auslöser dafür, dass ich mich aus dem aktiven Liebesleben zurückgezogen habe. Es gibt für mich nichts Unerotischeres als die Oberfläche. Was jetzt nicht wertend gemeint ist, ich gönne jedem seine Präferenzen, würde mir aber doch manchmal wünschen, dass meine Minderheit nicht gar so klein wäre.
Bandini antwortete am 16. Jun, 16:39:
Ich kann mir fast sicher sein, dass Du das Gegenteil denkst. Das ist ja vollkommen okay, aber auffällig ist es schon.
menschenleer antwortete am 16. Jun, 19:42:
Hm. Jetzt bin ich verwirrt. Das Gegenteil von dem, was ich gesagt habe? Tue ich eigentlich nicht. Ich nehme mal stark an, jeder ist einfach von seinen Erfahrungen gezeichnet. Wenn ich (was in der Tat stimmt) mit jenen flüchtigen Bekanntschaften die schlechtesten Erfahrungen gemacht habe, dann prägt mich das natürlich. Und ich muss natürlich auch dazu sagen, dass ich nicht leichtverdaulich bin. Davor warne ich aber auch jeden, ich bin aus Sicht meines Gegenübers sicher ein typisches "Problemweib", das alle Dinge zerredet. Analytikerin eben. Chronisch, auch beruflich. Erst auf Molekularebene fühl' ich mich wirklich zu Hause, und ab der Quantenebene wird's so richtig schön.
Bandini antwortete am 17. Jun, 08:19:
Nein, Du schreibst einfach meist bis immer, dass Du einer anderen Meinung bist oder vollkommen andere Erfahrungen hättest. Ich habe ja das Gefühl, dass man die Erfahrungen mit anderen Menschen macht, die man selbst reinsteckt. Sie werden sozusagen gespiegelt. Ich zeige lieber, dass ich die Frau als Menschen respektiere, schätze und begehre, wenn sie mitgeht. Du eher, dass Du schlechtes erwartest. Du entscheidest, wie ein Erlebnis wird, also entscheidest Du Dich eher für Probleme.
menschenleer antwortete am 17. Jun, 14:56:
Bin ich wirklich so schlimm? Habe ich wirklich noch meine Zustimmung kommentiert? Ich kann's nicht beurteilen, wenn das tatsächlich der Fall sein sollte, so kann ich es nur damit erklären, dass ich dann vielleicht nicht so sehr den starken Impuls fühle, meine Meinung zu äußern. In der Regel kann man dann ja nur "Stimme völlig zu" sagen, und das ist als Kommentar nicht so wirklich diskussionsförderlich. Ein Widerspruch hingegen drängt sich einem so richtig aus der Kehle in die Finger.Ich entschuldige mich also für meine offensichtlich allzu negativen Retourmeldungen, es war mir nicht aufgefallen.
Edit: Hier stand eigentlich noch mehr Gelaber, ich habe aber entschieden, dass ich Dein Blog lieber nicht mit meinem Seelnmüll überfrachte und diesen stattdessen bei mir deponiert. Tut mir leid, dass ich so leicht ins Schwafeln gerate.
Bandini antwortete am 18. Jun, 07:16:
Du musst Dich nicht entschuldigen. Ganz im Gegenteil: Ich war etwas dreist in meiner Analyse. Es war nur ein Eindruck.
Michael Mayer meinte am 17. Jun, 08:03:
Ich spekuliere wild, dass es liegt sich am Russland wie es der Taxifahrer noch in Erinnerung hatte. Frauen, die gleich mitgehen wollen entweder bezahlt werden, brauchen Wodka oder haben gar keine eigene Wohnung. Plausibel oder ;-)
Bandini antwortete am 17. Jun, 08:14:
Plausibel, na ja, aufregender finde ich den ersten Satz. Der ist so gezwirbelt, da muss man schon zweimal hinschauen. Verstehen muss ich ihn wohl nicht, oder?
Michael Mayer antwortete am 17. Jun, 08:33:
"Müssen" tut man gar nicht so viel wie es uns manchmal scheint. Diesmal muss auch nichts...
ksklein meinte am 17. Jun, 10:03:
Mit 23 bin ich mit einem Mann...
zum ersten Mal gleich am ersten Abend nach Hause gegangen. Er sollte mein erster ONS werden. Ich hatte nicht mit mehr gerechnet, aber ab dem Tag waren/sind wir zusammen.Bin jetzt 32 und habe also immer noch keinen ONS erlebt. ;)
Bandini antwortete am 17. Jun, 10:41:
Nun, zu bedauern bist Du ja nicht gerade. Deine Erfahrungslosigkeit freut mich.
twoblogs meinte am 18. Jun, 00:32:
„Erfahrenslosigkeit“ ist das Stichwort des gestrigen Tages, lieber Bandini. Waere ich jederzeit heiss auf Abwechslung, oberflaechlich betrachtet, traefe das auch auf mich zu. Auf Sie wohl nicht, oder? Aber Erfahrungshunger konstatiere ich bei Ihnen nicht. Keine Gier nach Erfahrung. Manchmal kommt mir vor, als wuerden Sie mit Freude die Gegenwart an Ihnen vorbeiziehen lassen, waehrend Sie die Vergangenheit mit Sentimentalitaet betrachten. Warum? Weil sie authentisch war, das heisst: Ihnen authentisch erschienen ist. Aber ich glaube, ich liege jetzt voellig falsch mit meiner Diagnose. Gruesse vom nassen Lac von Dr. Audrii Sandrock
Bandini antwortete am 18. Jun, 07:08:
Oh weh, ich glaube, Du liegst vollkommen falsch. Ich bin sehr wenig sentimental und vergangenheitsorientiert. Aber ich verstehe den Eindruck. Dieser entsteht wohl, da ich viel weniger Gegenwart hier abfeiere als ihr vielleicht denkt. Daher beschäftige ich mich hier viel mehr mit der Vergangenheit als im normalen Leben.
twoblogs antwortete am 18. Jun, 12:44:
Ich zitiere: Leben, Liebe, Leidenschaft! Leidenschaft? Wo kommt die denn vor? Liebe - wo die? Unterhaltsame Schmissigkeit - die herrscht vor! Jaja, ich wuerde gern ab und zu etwas lesen, wo Sie nicht wie ein wendiges Fischlein entschluepfen, sondern der Wahrheit ueber sich als Mann ins Auge sehen und das auch niederschreiben! Geht das ueberhaupt? (Lassen Sie die Frauen einmal eine Weile links liegen! Und denken Sie daran: Sie verlieren nichts von Ihrem Ruf'!)
Dr. Audrey Sandrock, diesmal auch schon um die Mittagszeit schon gut gelaunt
Bandini antwortete am 18. Jun, 13:05:
Ja, ich schreibe nicht mehr über Liebe und Leidenschaft. Vielleicht irgendwann mal wieder. Wenn ich dazu Lust habe. Meine Wahrheit kenne ich und reflektiere ich, allerdings nicht online. Da entschlüpfe ich eher, wenn die Fragen zu intim werden. Zumal ich immer auch für andere Menschen mitdenke, was gewisse Teile meine Lebens ausschließt. Welchen Ruf allerdings habe ich denn?
Ich glaube inzwischen, dass die reale Person sich stark unterscheidet von Bandini, den man hier heute erfassen kann. Früher allerdings war das anders.
twoblogs antwortete am 18. Jun, 19:59:
Natuerlich nehmen Sie eine Rolle ein, lieber S. B., genauso wie ich. Die koennen Sie aber waehlen, in einem gewissen Rahmen jedenfalls. Sie schreiben ja nicht nur provokativ ins Blaue hinein, sondern haben doch auch ein Bild – oder auch Gegen-Bild – vor sich, etwas Unausgelebtes, denk ich.Und Sie glauben wirklich, dass die Wahrheit ueber sich etwas ist, das Ihnen sozusagen gehoert? Hiesse das, dass Sie sich als autonom schreibenden Mann auffassen, der keinen Wert auf Antworten, hauptsaechlich von Frauen, legt??
Gut, ich verstehe natuerlich Ihre Ruecksichtnahmen, die ich ja auch betreibe, meinen Lieben zuliebe. Und Sie verstehen mich vielleicht auch, wenn ich als Metapher den schluepfrigen Fisch verwendet habe. Auch als konstruiertes Ich koennten Sie sich doch mehr Leidenschaft und Liebe andichten und nicht nur aus dem geschuetzten Ecke der ironischen Distanz heraus „reflektieren“!
Audri, noch viel besser gelaunt
PS: Was heisst denn fuer Sie intim?
Bandini antwortete am 19. Jun, 08:12:
Aber ich schreibe stets gelebtes. Nur wähle ich sorgfältig aus und manchmal verdrehe ich die Geschichten. Um sie spannender zu machen, kompakter oder schöner. Ein Bild habe ich dabei nicht konkret im Kopf. Ich mach einfach mal.Leider gehört mir die Wahrheit über mich nicht mir. Ich wünschte, es wäre so. Ganz autonom bin ich nicht, auch nicht von den Antworten der Frauen. Früher hatte ich etwa genauso viele Männer als Leser. Jetzt habe ich lange nicht mehr nachgeschaut. Das hat mich stets sehr gefreut, nur kommentieren die kaum noch.
Ich habe ja Liebe und Leidenschaft, ich müsste sie mir gar nicht andichten. Ich müsste sie nur niederschreiben und das möchte ich nicht. Nicht mehr oder zumindest momentan nicht. Insofern mag ich mir auch nichts ironisch andichten. An eine schöne Frau denken und leidenschaftliche Geschichten mit einer anderen erfinden, würde mir doch sehr schwer fallen.
Intim heißt in diesem Fall, dass es um Informationen geht, die mir zu persönlich sind, um sie ins Internet zu blasen.
twoblogs antwortete am 20. Jun, 02:02:
Vielen Dank fuer die ausfuehrliche Antwort, lieber Bandini! Ich bin derzeit leider viel zu muede zu einer angemessenen Reaktion. Eines haben wir jedenfalls gemeinsam: an eine schoene Frau denken (wobei meine Vorstellung von Schoenheit wahrscheinlich nicht der Ihrigen entspricht). Bei Maennern geht’s mir fast gar nicht ums Aussehen, sondern um Faszination und Ergriffenheit: von dem, was sie tun, wie und mit welcher Wirkung. Ein kleiner Hinweis hier.
Nachtgruesse von Audrii