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NAMENSSTERBEN

Manchmal frage ich mich ja, wo das mit den Nachnamen noch hinführen soll. Hin und wieder erzählen mir Frauen, dass sie aufgrund des neuen Namensrechts bei der Hochzeit ihren Nachnamen nochmal in die nächste Runde gerettet hätten. Oder gar den Gatten zu Übernahme hätten bewegen können (mache ich ja nur bei Adelstiteln). Denn sonst wäre er ausgestorben, der nette Name mit den vier bis sieben Silben.

Die Übermacht der Müllers, Maiers, Schneider, Schmidts und Schusters wird immer schlimmer. Wenn das so weiter geht, ist das hier bald so wie in Korea, wo 90 Prozent oder so einen von drei Nachnamen haben (Kim, Park und Lee, wenn ich mich recht erinnere).

Mir gehen dann manchmal so komische Fragen im Kopf rum und ich denke dann, dass vermutlich nur ich sowas denke.

- Warum sind all diese überhäufigen Nachnamen denn Berufsnamen? Dabei kamen die Nachnamen doch zu einer Zeit auf, als noch 70 Prozent der Landsleute oder so Bauern waren. So viel Müller, Schmiede, Schuster und Maier gab es damals doch gar nicht. Auf der anderen Seite denke ich dann, dass das mit der Dienstleistungsgesellschaft für Privatpersonen damals schon sehr weit gediehen gewesen sein muss. Dass jeder Hannebambel seine Schuhe zu einem der Millionen Schuster gebracht haben soll, das glaube ich einfach nicht.

- Wie hoch ist eigentlich der Nachnamensverlust pro Jahr oder Jahrzehnt?

- Warum setzen sich diese doofen Namen eigentlich durch, warum sind sie evolutionär stärker als all die Namen, die man immer erklären muss und die die erste Stunde in einer neuen Klasse damals immer so unterhaltsam machten und die Zeit ausfüllte, weil die Mitschüler all die Eselsbrücken und Buchstabendopplungen aufzählen und dann schließlich doch bustabieren mussten?

- Würden wir heute einen Schlussstrich ziehen und sagen, hey, sucht Euch alle neue Nachnamen aus, würde ich dann wirklich Bandini, Berater oder Frankfurt als Nachnamen wählen? Oder doch eher Schönheide, Eichenstadt oder Beau (ich kenne wirklich jemanden, der so heißt).

Mit solchen Gedanken verschwende ich manchmal meine dreißiger Jahre.
acqua meinte am 11. Jul, 11:34:
Ich kann sowas ja auch. Zeit mit Gedanken verschwenden, meine ich.

Zu deiner ersten Frage:
Ich nehme an, dass es in einem Dorf mit, sagen wir mal, zwanzig Bauern, einem Schmied und einem Müller nicht sehr sinnvoll gewesen wären, all die Bauern "Bauer" zu rufen. Wer mit "der Schmied" gemeint sein musste, wusste aber jeder sofort.
Ausserdem war ein "Meier" ein Gutsverwalter, so viel ich weiss. Also nicht direkt Bauer, aber immerhin.

Dass sich die häufigen Namen immer stärker durchsetzen wusste ich nicht. Den Grund dafür wüsste ich auch sehr gerne. 
Bandini antwortete am 11. Jul, 11:41:
Ich weiß es auch nicht, ob sie sich stärker durchsetzen, aber da Namen aussterben ist es wahrscheinlich. Vielleicht nimmt ja auch der Mittelbau zu, all die 100 bis 1000 häufigsten Namen. Ich muss ja auch zugeben: Ich habe auch einen eher häufigen Namen. Witzig finde ich ja auch, wenn Leute heute noch einen Namen haben, der daran erinnert, dass ihr Urahn gerne Schweine bestiegen hat. 
acqua antwortete am 11. Jul, 12:02:
Der Name kommt echt vom Schweine besteigen? Das hast du dir doch so zusammengereimt, oder?

Die Aussterbenswahrscheinlichkeit ist bei seltenen Namen mit Sicherheit höher als bei häufigen. Erklärt das aber schon, warum häufige Namen immer häufiger werden?
Ich versuche gerade mein Wissen über Populationsökologie hervorzukramen... 
Bandini antwortete am 11. Jul, 12:55:
Ich wüsste nicht woher sonst. Aber in der Tat habe ich mir das zusammenfantasiert.

Ansonsten: Populationsökologie ist mein neues it-Wort. Kannte ich gar nicht. Aber mit der Namensverteilung hat das ja wohl nichts zu tun, oder? 
acqua antwortete am 11. Jul, 16:27:
Warum nicht? Es geht um Popultaionen (die Einwohner Deutschlands) und Teilpopulationen (die Träger eines Familiennamens) und um Geburten- und Aussterberaten dieser Teilpopulationen.

Was ist ein it-Wort?

Übrigens:
Von Stall kommt das. Alles andere wäre schweinische oder zumindest übersteigende Phantasie. 
Bandini antwortete am 11. Jul, 17:23:
Ein it-Wort ist eine Erfindung meinerseits, angelehnt an das it-girl.

Beim Schreiben hatte ich mich an einen anderen Namen erinnert, bei dem es in der Tat um das Besteigen von (ich glaube) Ziegen ging. Um abzulenken habe ich Schweine geschrieben. An den besagten Herrn habe ich nicht gedacht, würde mich also gerne entschuldigen.

Ansonsten: wir sollten die onomastische Populationsökologie begründen. 
acqua antwortete am 11. Jul, 17:33:
Au ja! Onomastische Populationsökologie wäre mein Fach. Hiermit ist sein Gründungstag der 11. Juli 2008.

An welchen Namen du wirklich gedacht hast, wüsste ich nun zu gerne. Tut mir leid, wenn ich dir da was mit Schweinen und Fussballspielern unterstellt habe.

It-Girl musste ich nun auch erst mal googeln. Dachte ich mir doch, dass das nichts mit Informationstechnologie zu tun hat. Schon wieder was gelernt. 
katiza meinte am 11. Jul, 11:58:

Ich assoziiere Gottfried Benn

Ich habe Menschen getroffen, die,

wenn man sie nach ihrem Namen fragte,
schüchtern – als ob sie gar nicht beanspruchen könnten,
auch noch eine Benennung zu haben –
"Fräulein Christian" antworteten und dann:
"wie der Vorname", sie wollten einem die Erfassung erleichtern,
kein schwieriger Name wie "Popiol" oder "Babendererde" –
"wie der Vorname" – bitte, belasten sie Ihr Erinnerungsvermögen nicht!
 
frl eichhorn meinte am 11. Jul, 12:52:
Umso löblicher daher, wenn sich das Paar entschließt, den schöneren Nachnamen zu bewahren, statt ein unsägliches Gebilde mit Bindestrich zu fabrizieren. So geschehen bei einer Freundin, deren Mann ihren Namen annahm mit der lakonischen Bemerkung, dass sein Name schon breit genug gestreut wäre. Er hat 6 Geschwister.

Interessant übrigens die Namenshäufigkeit in Deutschland: http://christoph.stoepel.net/geogen/v3/Default.aspx 
Bandini antwortete am 11. Jul, 13:50:
Also ich nehme keinen Frauennachnamen an. Und ein Doppelname kommt mir auch nicht in die Tüte. Lieber darf sie ihren Namen behalten. Dann sieht das Türschild zwar aus wie eine WG, aber dafür kann ich dann auch immer meine Ehefrau verleugnen, wenn ich mal mit jungen Ludern nach Hause komme, während sie im Urlaub oder auf einem Weiterbildungsseminar weilt. 
frl eichhorn antwortete am 11. Jul, 14:30:
Tja, dann gibt es wohl gar keinen Grund, dich zu heiraten.

Übrigens Regel Nummer 1 beim Fremdgehen: Nie, niemals zu Hause. 
Bandini antwortete am 11. Jul, 14:36:
Natürlich gibt es dafür Gründe. Der einzige dagegen ist, dass ich meinen schönen Nachnamen behalten will.

Ansonsten ja: Zum Fremdgehen gehe ich dann in fremde Wohnungen. 
blogger.de:curly antwortete am 13. Jul, 12:59:
was sind denn das für töne? also heirat beinhaltet doch eigentlich exklusivität. aber da bin ich wohl romantiker. ein grund, vielleicht nicht zu heiraten.... 
Bandini antwortete am 13. Jul, 14:07:
Ach, das dürfen sie nicht so Ernst nehmen. Ich bin doch nur ein Maulheld. In Wahrheit bin ich ja eine ganz treue Seele und ich bin froh, wenn mich überhaupt eine will. An der kralle ich mich dann so fest, da komme ich doch gar nicht auf dumme Gedanken. 
NBerlin meinte am 12. Jul, 12:44:
Vielleicht hatten diese Berufstände, wegen guter Umsatzzahlen, einfach bessere Chancen bei den Frauen und damit auch mehr Kinder? Wenn es dich tröstet ich habe nicht so einen Namen und muss den immer "bustabieren" ;-) 
sammelmappe meinte am 12. Jul, 17:28:
Namen sterben aus? Vielleicht sollten sich dann mehr Menschen einen Künstlernamen zu legen. Das soll ganz einfach gehen. Einfach das Plakat der Bloglesung beim Antrag auf einen neuen Personalausweis beilegen, schon ist der Künstlername im Ausweis eingetragen. 
Bandini antwortete am 12. Jul, 18:50:
Das ist eine schöne Idee. Nur gibt es keine Künstlernamen mehr im Ausweis. 
virtualmono antwortete am 13. Jul, 02:43:
Doch, gibt es - bitte mal auf die Rückseite vom Personalausweis schauen ;-) 
Bandini antwortete am 13. Jul, 14:05:
Genau, meiner ist zwei Monate alt und da gibt es das Feld nicht mehr. 
virtualmono antwortete am 13. Jul, 16:24:
Vielleicht kann man ihn ja jetzt anstelle des "echten" Namens eintragen lassen *g*. 
blogger.de:curly meinte am 13. Jul, 12:57:
Also
für mich gäbe es keinen Grund meinen Namen zu behalten, so denn geheiratet würde. Jeden Tag höre ich mir am Telefon die immer gleichen Witze an: "Ja, wie die Krankheit, es wird nur anders geschrieben...". Es wäre manchmal einfach leichter, Frl. Müller zu heißen. Dann könnte es gleich um das Wesentliche gehen. Allerdings fängt so jedes Gespräch mit einem Lachen an, das hat ja auch etwas Schönes! 
Kirschrot meinte am 14. Jul, 17:41:
Ach lass mal. Das ist keine Verschwendung. Geistige Spaziergänge. Leichte Bewegung für die sonst so schwer arbeitende Hirnmasse.

Ich dachte neulich darüber nach, ob eigentlich alle Menschen wirklich die gleiche Farbe sehen, wenn sie z.B. den Himmel als blau erkennen oder Gras als grün. Oder ob zum Beispiel dein Grün vielleicht ganz anders aussieht als meins. Wenn man Kindern Farben erklärt, kommt man auf solche Ideen.

Ich habe übrigens sehr gerne den Namen gewechselt - ich kann aber auch die Familie väterlicherseits nicht wirklich leiden. Doppelnamen sind indiskutabel, ein grausames Relikt der Frauenbewegung. Man muss sich doch mal entscheiden können. Aber die tragen ohnehin fast nur noch Politikerinnen jenseits der 50, oder? 
Paulaline meinte am 16. Jul, 22:38:
Imerhin, in meiner Familie ist es anders gelaufen. Meine Mutter trug noch so einen doofen Allerweltsnamen.

Dafür war ich eine von diesen unterhaltsamen Kindern in neuen Klassen. Nur gut, daß ich meinen Nachnamen bereits mit 4 Jahren buchstabieren konnte, weil wir das am Telefon können mussten um unsere potenziellen Feriengäste zu bespaßen. Selbst schreiben kam allerdings erst sehr viel später.